KG-Sieglar

Tommy Engel 2017: konzentriert, warmherzig, virtuos und ein wenig Melaten-melancholisch

Tommy Engel in der Küz Sieglar. Foto: Carsten Seim

Seine Band gehört zu den Besten in Köln und sicher auch darüber hinaus. Er selbst ist ein begnadeter Sänger  und Conférencier. Der WDR nannte ihn „Die Stimme Kölns“. Am 22. April gaben sich Tommy Engel, Pianist und Komponist Jürgen Fritz und Mitspieler/-sänger zum wiederholten Mal die Ehre in der Küz. Natürlich fehlten Klassiker wie der Saunaboy und die große Pavarotti-Pose mit weißem Schal nicht. Es herrschte aber in gewissen Teilen des Konzerts eine verglichen zu früheren Engels-Auftritten in Sieglar eher melancholische Stimmung.

Tommy Engel in der Küz Sieglar. Foto: Carsten Seim

Im Kontext des Liedes „Äppel sin kein Birre“ reflektierte er die Stimmung in der Frings-Stroß kurz nach seinem Austritt bei den Bläck Fööss.  In seiner Autobiografie „Du bes Kölle“ (Kiepenheuer und Witsch) schreibt der Sänger darüber:

Das Lied sollte zum festen Repertoire meiner Solozeit werden. Ich habe mich damals zeitweise tatsächlich „verfolgt“ gefühlt, so wie es in dem Lied ausgedrückt wird. „Lauf, su lang ding Fööss dich drare/Der Dach, der kütt, do wees du jefahre« auch das ist wörtlich zu nehmen. Es geht darum, bis zum Ende zu kämpfen, nicht aufzugeben,  erhobenen Hauptes weiterzugehen.“ Auch mag in diesem Song eine Portion Trotz mitschwingen, aber der entsprach ebenfalls meinem damaligen Empfinden: M'r hät dich om Schirm selvs en d'r Naach, se han dich om Kicker, nemm dich en Aach“.

Tommy Engel in der Küz Sieglar. Foto: Carsten Seim

Als jüngstes von zehn Kindern musste er sich in seiner Kindheit und Jugend durchkämpfen. Vieles scheint zwischen den Zeilen auf. Mit 13 spielte er Schlagzeug. Vater Richard Engel hatte es ihm für 850 Mark auf Raten gekauft. „D’r Rickes“ war Sänger bei den Vier Botze, der Sohn Beatles-Fan. „Er hat uns mit seiner Singerei alle durchgebracht“, sagt Tommy Engel heute. Ihm ist das Lied „Vatter vun ner jroße Familich“ gewidmet. Tommy Engel schätzt und besingt Menschen, die sich aus kleinen Verhältnissen kommend durchkämpfen – wohl auch deshalb liebte er die 1991 verstorbene kölsche Diva Trude Herr, Jahrgang 1927, wie seine älteste Schwester. Auch an diesem Abend fehlte ihre Hymne „Niemals geht man so ganz“ nicht.

Tommy Engel in der Küz Sieglar. Foto: Carsten Seim

All das klingt bei seinen Konzerten mit. Und oben drauf gibt es virtuos gespielte Arrangements. Ein perfekter Abend – das Fazit von KG-Präsident Marco Esch. Wir freuen uns schon jetzt auf Engel 2018.

Tommy Engel in der Küz Sieglar. Foto: Carsten Seim

Und gern werben wir an dieser Stelle für seine neue CD, Dat Kölsche Songbook. Mehr dazu in der Kölnischen Rundschau. 

Text und Fotos: Carsten Seim für die 1. Große KG Sieglar